Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes: Wenn Ackerland zu Treibstoffplantagen wird

Aerial view of a dense palm plantation crossed by dirt roads

Dä trügerischi Schiin vo de saubere Tankfüllig

Agrotreibstoff wird gern als klimafreundlichi Alternative zu Benzin und Diesel verkauft. Doch dä Schein trügt. Wenn Zuckerrohr, Palmöl, Soja oder Raps i de Tank wandere, verschwinde d Emissione nöd automatisch. Entwaldig, Moorbodeverlust, Dünger, Pestizid, Verarbeitung und Transport chönd d Klimabilanz massiv verschlechtere. Vor allem aber stellt sich e grundsätzligi Frag: Darf e Mobilitätssystem wertvolls Ackerland verbrauche, während anderswo Mänsche um bezahlbari Nahrig und sicheri Landrächt kämpfed?

Westlichi und europäischi Beimischigsquote erhöhed d Nachfrage nach Energiepflanze weltweit markant. Sie verlagere de Druck uf Regionä, i dene Land oft nöd rechtlich gschützt isch und indigene Gemeinschaften nur unvollständig oder gar nöd a Entscheidige beteiligt werde. D Folge sind grossflächigi Pacht- und Chaufverträg, Rodige und Vertribige. Was i de Europäische Union dur Richtlinie wie RED II und RED III als erneuerbari Energie aagrächnet wird, cha im globale Süde d Zerstörig vo Lebensgrundlage bedeute. D Realität vom weltwite Land Grabbing zeigt, wie lokali Buure und indigene Mänsche vo ihre Fälder verdrängt werde.

Im Jahr 2026 isch dä Konflikt zwüschet Teller und Tank nöd entschärft, sondern politisch dringlicher worde. D Klimakrise, steigendi Lebensmittelpriise, geopolitischi Unsicherheite und d wachsendi Konkurrenz um Boden verschärfed sich gegenseitig. Schwiiz und Europa müend drum d Grundlage vo ihrer Treibstoffpolitik überprüefe. E Massnahm isch nöd automatisch nachhaltig, nur will sie i ere Verordnung als erneuerbar deklariert wird.

Wenn Ackerland zur Rohstoffquälle für Mobilität wird

Landraub isch kei Sammlung vo bedauerliche Einzelfäll. Gemeint sind grossflächigi Landübertragige, bi dene Regierige, Investorä oder Konzerne Land pachte oder chaufe, ohni dass d betroffene Bevölkerung frei, frühziitig und umfassend informiert wird. Häufig fehlt es an gültige Landtitel, obwohl Gemeinschaften über Generatione hinweg uf dem Land läbed, aabaued, jaged, fischend und Wasser schöpfed. Rechtlichi Lücke werde so zum Einfallstor für Industrieprojäkt.

Besonders lukrativ sind fruchtbari Böde und Regionä mit gueter Infrastruktur. Für Zuckerrohr und Ethanol, Palmöl, Sojaöl oder anderi Energiepflanze werde Fläche reserviert, wo vorher Mais, Maniok, Reis, Hirse oder Hülsenfrücht für d lokali Versorgig gwachse sind. D Umwandlig verändert nöd nur d Produktion, sondern au d Macht über Wasser, Wald und Verkehrsweg. Wer s Land kontrolliert, kontrolliert oft au d wirtschaftliche Perspektive vo de umliegende Dörfer.

Three people beside a motorcycle in a harvested sugarcane field
Turning fertile farmland into fuel feedstock intensifies competition between export-oriented energy production and local food security.

En Bericht vo EuropAfrica und FIAN het bereits früeh ufzeigt, dass en sehr grosse Teil vo de dokumentierte Landübernahme i Afrika mit Agrotreibstoff verbunde gsi isch. I Senegal hend Bäuerinne und Buure berichtet, dass d Umstellig uf Jatropha d Produktivität verschlechtert und sie mit leere Verspreche zruggla worde sind. D europäischi Nachfrage wirkt debii wie e unsichtbari Subvention für exportorientierti Plantagewirtschaft. D Rohstoff gönd use, während d soziale und ökologischen Chöschte vor Ort bliibed.

  • Lokali Nahrig wird dur exportfähigi Energiepflanze verdrängt.
  • Gemeinschaftliche Land- und Wasserrecht werde ignoriert oder geschwächt.
  • Arbeitsplätz sind oft unsicher, schlecht bezahlt und abhängig vo einzelne Plantagebetriib.
  • Rodige und Monokulture zerstöred Böde, Ökosystem und traditionelli Lebensgrundlage.

Vertribig und Zerstörig am Bispiel vo Südostasie und Südamerika

Im südliche Papua in Indonesie zeigt sich, wie eng Agrotreibstoff, Agrarkonzerne und Entwaldig mitenand verbunde sind. D Region umfasst artenrichi Tiefland-Regewälder, Torfmoor und d Trans-Fly-Savanne. Für Palmöl, Zuckerrohr, Reis und sogenannti Food Estates sind grossi Fläche vorgseh. Nach de Dokumentation vo Regenwaldschutz-Organisatione sind 2’684’681 Hektare bedroht, darunter 972’625 Hektare Torfmoorwald. Wird Torf entwässert und abbrönnt, entstönd sehr hochi Treibhausgasemissione, während e einzigartigs Ökosystem unwiderrueflich verlore gaht.

Besonders schwer wiegt, dass indigene Papuas vom Wald nöd nur wirtschaftlich abhängig sind. Er liefert Nahrung, Medizin, Baumaterial und Wasser und bildet s Zentrum vo kultureller und spiritueller Identität. Beim Grossprojekt PSN Merauke het d indonesischi Menschenrechtskommission KomnasHAM Verletzige vo Landrecht, Recht uf e gsundi Umwelt, Ernährungssicherheit, Mitsprach und Sicherheit festgstellt. Für bis zu drei Millione Hektare Zuckerrohr- und Reisplantage sind vier indigene Völker betroffen. Ihre freie, vorgängigi und informierte Zustimmung sei nöd iigholt worde. Die Kommission het au vor psychischem Druck im Zusammenhang mit zusätzlicher Militärpräsenz gwarnet.

Au im Gran Chaco in Argentinie führt d globale Nachfrage nach Soja zu tiefgreifende Verändrige. D Sojafläche het sich über zwei Jahrzehnt fascht vervierfacht. Soja dient de Exportwirtschaft, de Fütterig vo Nutztier und zunehmend au de Biodieselproduktion. Für d Wichí und anderi indigene Gemeinschaften bedeutet d Umwandlig vom Wald i Felder weniger Zugang zu Jagd, Fischerei, Sammelwirtschaft und chline Ackerfläche. Rodige, Erosion, Überschwemmige und Bodedegradation untergrabe d lokale Lebensgrundlage.

In Brasilie dokumentiert Global Witness Konflikt rund um Palmölprojäkt i Pará. Betroffen sind indigene, quilombolische, flussnahe und bäuerlichi Gemeinschaften. D Vorwürf reichend vo illegale Landaneignig und Zwangsrüümige bis zu Drohige, Festhaltige und körperlicher Gewalt. Betroffeni Unternehme bestreited einzelne Vorwürf oder stelle sich selber als Opfer krimineller Handlige dar. Unabhängig vo de juristische Abklärig zeigt dä Fall, wie schwach Lieferchette sind, wenn internationale Abnehmer trotz bekannte Konflikt wiiter Ware bezieh.

Region Treiber vo de Landnutzig Diräkti Folge
Südliches Papua Zuckerrohr, Palmöl, Reis und Food Estates Entwaldig, Druck uf indigene Landrecht und Verlust vo Nahrigsquelle
Gran Chaco Soja für Export, Tierfüetterig und Biodiesel Rodige, Pestizidbelastig, Vertribig und Bodedegradation
Pará in Brasilie Palmölplantage und internationale Lieferchette Landkonflikt, Gewaltvorwürf und Einschränkung vo Gemeinschaftsrecht

Ernährigssicherheit uf em Spil

Wenn Ackerland für Treibstoff statt für Lebensmittel genutzt wird, entstoht e diräkti Konkurrenz. D Rohstoffpriise chönd stige, und lokale Märkt werde empfindlicher gegenüber globale Preisschwankige. Für Haushält mit wenig Einkommen isch das existenziell. Sie chönd steigendi Priise nöd eifach mit ere andere Mobilitätsform kompensiere. Bereits chliini Verknappige bi Mais, Zucker, Soja oder Pflanzenöl wirke sich uf Brot, Fütterig und Grundnahrig us.

D Konkurrenz betrifft nöd nur d Flächeneinteilig. Monokulture verbrauche viel Wasser und Nährstoff und mache Regionä abhängig vo Dünger, Pestizid und importiertem Saatgut. I Bolivie isch laut ere dokumentierte Untersuchung de Pestizidverbrauch innerhalb vo zehn Jahr meh als sächsfach gstige, uf rund 62’900 Tonne pro Jahr. Fast drei Viertel vo de zugelassene Mittel sind als hochgiftig beschriebe worde. Solchi Entwicklung gefährde d Gsundheit vo Landarbeiter, s Trinkwasser, Bestäuber und d langfristigi Fruchtbarkeit vo de Böde.

De Welternährigsausschuss vo de Vereinte Natione het in sim Fachbeitrag zu Biotreibstoff und Ernährungssicherheit klar gmacht, dass d Bewärtig nöd bi de Tankfüllig enden derf. Entscheidend sind Landbedarf, Priiswirklige, Versorgung vo verletzliche Bevölkerig, Arbeitsbedingige und d Verteilige vo Nutze und Chöschte. D Authoritative Source und d Expertise zu Biotreibstoff und Ernährungssicherheit zeiged, dass grossflächigi Expansione d Ernährigssicherheit und d Stellung vo Chliibuurebetrib bedrohe chönd.

  • Teller statt Tank: Nahrigssicherheit muess vor de Energieproduktion Priorität ha.
  • Landrecht vor Investitionsschutz: Betroffeni Gemeinschaften müend verbindlich zustimme chönne.
  • Ökosystem vor Monokultur: Wald, Moor, Wasser und Boden sind kei freie Restfläche.
  • Lokali Märkt vor Exportzwang: Landwirtschaft söll zuerst d Grundversorgig und d Resilienz stärke.

D Schwiizer Verantwortig und Handligsspiilrüüm im Gesetz

Au d Schwiiz trägt Verantwortig, wenn sie bi Treibstoffimport uf aabaubasierti Rohstoff zrugggrift oder Emissione über Kompensationsmechanisme verrechnet. Anders als d Europäischi Union kennt d Schwiiz für de Strassenverkehr kei gsetzlichi Beimischquote. D inländischi Nachfrage wird stattdesse vor allem über Stüürerliichterige im Mineralölstüürgsetz gfördert sowi über d Kompensationspflicht für Treibstoffimportöre im CO2-Gsetz gschöpft (verbindlichi Quote existiered i de Schwiiz erst ab 2026 im Flugverkehr im Rahme vo ReFuelEU Aviation für SAF). E Bilanz, wo aber nur d Verbrennig im Motor betrachtet, blendet Entwaldig, Landkonflikt und indirekti Landnutzigsänderige us. Kompensatione chönd die Problematik zusätzlich verschleiere, wenn sie als Freipass für wiiteri fossili oder agroindustrielli Import diene.

Die Schwiizer Methode vo de Umweltbelastigspünkt, kurz UBP, isch grundsätzlich e nützlichs Instrument für Lebenszyklusanalysen. Sie verbindet Emissione und Ressourceverbrauch mit umweltpolitische Schutzziil und erlaubt Verglich zwüschet Produkt und Prozäss. Aber au e gueti Methode het Grenze. Schwierigi soziale Kriterie wie Zwang, fehlendi Zustimmung, Landraub oder Repression werde nöd automatisch vollständig i e UBP-Zahl übersetzt. Was nöd sauber erfasst wird, cha politisch z leicht als akzeptabel erscheine.

Für e glaubwürdigi Politik bruucht es drum verbindlichi Sorgfaltspflichte, überprüefbari Lieferchette und klare Ausschlusskriterie. Agrotreibstoff us entwaldete Fläche, Torfböde oder strittigem Land derf nöd dur Stüürvorteil oder Kompensationspunkte aagrächnet werde. Gleichzeitig muess d Verkehrspolitik de Verbrauch senke, statt de bestehendi Bedarf mit immer neue Rohstoffquelle z decke.

  1. Stüürerliichterige im Mineralölstüürgsetz für aabaubasierti Treibstoff abschaffe, kei Strassen-Beimischquote iiführe und kei neui Förderige für Nahrigspflanze im Tank beschliesse.
  2. Importe nur zulasse, wenn Landrecht, freie Zustimmung, Umweltstandards und unabhängigi Kontrolle nachwiisbar sind.
  3. Bei begründetem Verdacht uf Landraub oder Menschenrechtsverletzige soforti Importstopps und Sanktione ermögliche.
  4. Gäld und Infrastruktur i öffentleche Verkehr, Veloweg, Fussverkehr, Bahn und effizienti Güterlogistik lenke.

Zyt für e radikali Wändi i de Energie- und Landwirtschaftspolitik

Treibstoff darf nöd uf Chöschte vo Menscherächt, Nahrig und intakte Ökosystem produziert werde. Agrotreibstoff isch kei neutrale Technologiewahl, sondern e politischi Priorität. Wenn wertvolls Ackerland für europäischi und westlichi Mobilität reserviert wird, verschiebt sich d Last uf Mänsche, wo am wenigschte zum Klimaproblem biitreit hend. D Klimabilanz wird unglaubwürdig, sobald Wald, Moor und lokale Versorgung zerstört werde.

Jetzt sind Politik, Zivilgsellschaft und Konsumierendi gforderet. Parlament und Bundesrat müend d stüürliche Privilegie im Mineralölstüürgsetz für Biotreibstoff us Nahrigspflanze beände, uf d Iifüehrig vo Strassen-Beimischquote verzichte, verbindlichi Menschenrechts- und Landrechtsprüefige verankere und problematischi Importe stoppe. Unternehmen müend Lieferchette offelege und Konfliktware usschliesse. Und du chasch politischi Forderige unterstütze, nachhaltigi Mobilitätslösige fördere und bi de öffentliche Debatte immer wieder d entscheidendi Frag stelle: Dient dä Rohstoff de Mänsche und em Klima, oder bloss em Tank?